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Deutscher Mittelstand trägt Wirtschaft

Ob der deutsche Mittelstand tatsächlich die wesentliche Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung ist, hat nun das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht. Mit Blick auf die Arbeitsmarktentwicklung beantwortet die Kölner Forscher diese Frage mit einem eindeutigen ja. Zwar hat sich zwischen 1999 und 2010 die Anzahl sozialversicherungspflichtigen Beschäftigter insgesamt nur um 0,8 Prozent auf 27,7 Millionen erhöht, doch bei den mittelgroßen Unternehmen  mit 50 bis 499 Mitarbeitern gab es laut iw einen deutlichen personellen Zuwachs um 6,5 Prozent binnen der letzten 12 Jahre. Dagegen haben Kleinbetriebe und große Unternehmen im Vergleichszeitraum ihre personellen Ressourcen um zwei Prozent reduziert. Den Grund sieht das iw im Strukturwandel, allen voran in der Industrie mit ihren vielen Großbetrieben, die bis 2005 Stellen gestrichen haben. Bei kleineren Dienstleistern registrierte das Kölner Institut einen Trend zur Professionalisierung, welche diese Unternehmen zu Mittelständlern wachsen ließ.

Uneinheitliche Entwicklung der Mitarbeiterzahlen
Eine stetige Entwicklung der Mitarbeiterzahlen über alle Unternehmensgrößen hinweg ist laut dem iw nicht festzustellen: So nahm in der Zeit von 1999 bis 2005 die Summe der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer um insgesamt 4,8 Prozent ab, um in den darauffolgenden Jahren wieder zuzulegen. Die Wirtschaftskrise hat – so die Forscher –  nur zu einem minimalen Beschäftigungsrückgang von knapp 80.000 Personen geführt. Der jüngste Aufschwung macht diese Entwicklung jedoch wett: Mitte des zurückliegenden Jahres hatten wieder 27,7 Millionen Menschen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung inne. Dies entspricht einer Zunahme von 0,8 Prozent im Vergleich mit 1999.
 
Große regionale Unterschiede in der Beschäftigung
Während die Hansestadt Hamburg ein Beschäftigungsplus von gut zehn Prozent verbuchen konnte, ging in Sachsen-Anhalt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 14 Prozent zurück. Dieser Beschäftigungsrückgang ist laut iw nicht ausschließlich dort zu finden, sondern betrifft alle östlichen Bundesländer. Im Gegensatz hierzu hat sich der Arbeitsmarkt im Süden der Republik besonders gut entwickelt. Punkten konnten auch Rheinland-Pfalz und Hessen während in Nordrhein-Westfalen die Beschäftigungszahlen stagnierten. Mit Blick auf die Größenklassen der Unternehmen in den jeweiligen Regionen, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass der Mittelstand in der Vergangenheit bundesweit zugelegt und zwischen 1999 und 2010 den Anteil an sozialversicherungspflichtigen Stellen ausgebaut hat. Deutschlandweit betrachtet stieg damit der Anteil des Mittelstandes an der Beschäftigung um zwei Prozent von 36  auf 38 Prozent. In Kleinbetrieben waren zuletzt 41 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen  Beschäftigen angestellt und in Großbetrieben 21 Prozent.

Düstere Prognose für die Zukunft
Laut dem iw könnten in der Zukunft die Großunternehmen zu den Gewinnern zählen, wenn es um die Rekrutierung von Angestellten geht. Zwar wollen laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern nahezu alle Betriebe Personal einstellen, doch vielerorts fehlt es an den entsprechenden Fachkräften. In Süddeutschland herrscht mit einer Arbeitslosenquote von vier Prozent annähernd Vollbeschäftigung und im Osten ist der demografische Wandel laut dem Institut schon jetzt zu spüren, da in manchen Regionen bereits junge Fachkräfte fehlen, um in die Fußstapfen der scheidenden älteren Beschäftigten zu treten. Das Institut schätzt, dass sich diese Situation noch verschärfen wird und beruft sich hierbei auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes der zufolge das Erwerbspersonenpotenzial bundesweit  bis 2050 um etwa ein Viertel abnehmen soll. Den Osten soll diese Entwicklung bereits 2025 eingeholt haben. Große Unternehmen sollen von dieser Entwicklung weniger stark betroffen sein. Der größere Bekanntheitsgrad gepaart mit professionellerer Rekrutierung und höheren Löhnen verschafft diesen Unternehmen einen klareren Vorteil. (BD)  

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