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... [mehr]Die Vorteile Virtueller Privater Netzwerke (VPN) für Handelsunternehmen
Nicht im preisaggressiven Wettbewerb, sondern in der Servicequalität liegen die Chancen des Handels. Allerdings sind Filialen ohne elektronische Integration in das zentrale Warenwirtschaftssystem nicht in der Lage, den Kundenwünschen ausreichend gerecht zu werden. Die Antwort darauf sind immer öfter Virtuelle Private Netzwerke, weil sie ohne große Investitionen eine einfache und kostengünstige Verbindung der Points of Sale ermöglichen.
„Ohne Prozentzeichen geht nichts mehr“, beschreibt Hermann Franzen das existenzbedrohende Rabattphänomen des Handels. „’Geiz ist geil’ ist zum deutschen Lebensgefühl geworden; die ‚Mutter aller Schnäppchen’ zur Freiheitskämpferin der Konsumenten.“ Der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) sieht darin jedoch eine gefährliche Entwicklung: „Rabatte sind wie Medizin: Vorsichtig dosiert entfalten sie für Handel und Verbraucher eine heilbringende Wirkung, aber eine Überdosis ist tödlich.“ Zur Vermeidung solcher Gefahren gilt es nach Meinung von Franzen, diese Medizin „im Zusammenspiel mit anderen Therapieformen wie zum Beispiel Kundenorientierung, Service und Qualität einzusetzen.“
Qualität am Ort des Kundenkontakts verlangt neben Beratungskompetenz und marktfähigen Preisen jedoch eine Organisation, die vor allem eine kontinuierliche Verfügbarkeit aller Produkte, einfache Disposition und aktuelle Kenntnisse über das reale Nachfrageverhalten gewährleistet. Dem widmen sich üblicherweise die Warenwirtschaftssysteme, die ihre Aufgabe jedoch nur dann optimal erfüllen können, wenn eine Integration aller Informationsflüsse bis zu den Scannerkassen besteht.
Voraussetzung dafür ist ein vernetztes Warenwirtschaftssystem, das den papierlosen Informationsaustausch aller zentralen, regionalen und dezentralen Systeme, Geräte und Mitarbeiter steuert. Es beschleunigt den Waren- und Informationsflusses entlang der gesamten Wertschöpfungskette und führt damit zur Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung. Eine Vernetzung der Filialen ist daher auch nach einer Studie der Unternehmensberatung BDE eine zentrale Anforderung an die Handelsunternehmen. Sie spricht von der Notwendigkeit einer „totalen Vernetzung (Online-Verbindungen) der elektronischen Warenwirtschaftssysteme“ auf Basis breitbandiger Kommunikationsverbindungen.
Einfache Standortvernetzung für Handelsunternehmen
Die Antwort darauf sind immer häufiger Virtuelle Private Netzwerke (VPN), weil sie kostengünstig und ohne großen technischen Aufwand durchgängige und integrierte Prozesse ermöglichen, bei denen alle Systeme und Mitarbeiter Informationen ereignisgesteuert untereinander austauschen können. Dazu gehören nicht nur elektronische Bestellungen oder die Kommunikation aktueller Verkaufs- und Umsatzinformationen, sondern beispielsweise auch die Übermittlung auffälliger Warenwirtschaftsdaten wie etwa Bestandslücken bei Produkten.
Anhand solcher Informationen wird ein Warenwirtschaftssystem in die Lage versetzt, Präsenzlücken in den Filialen automatisch zu erkennen und die erforderlichen Lieferprozesse anzustoßen, damit eine jederzeitige Verfügbarkeit der Produkte am Point of Sale gewährleistet ist. Und sollte ein Produkt vor Ort nicht vorhanden sein, können sich die Mitarbeiter über die Bestände in anderen Filialen informieren, um Kundenwünsche dennoch zu befriedigen. Überhaupt ist über eine Vernetzung der Points of Sale eine schnelle Reaktion auf geänderte Marktbedingungen und die direkte Umsetzung strategischer Maßnahmen in allen warenwirtschaftlichen Kernprozessen möglich.
„Idealerweise“, so Stephan Wanke vom paneuropäischen Telekommunikationsanbieter COLT Telecom, „werden derartige Vernetzungen heute über VPNs realisert“. Mit dieser Ansicht befindet sich Wanke in guter Gesellschaft: So spricht die Unternehmensberatung KPNG in einer mit dem EuroHandelsinstitut (EHI) gemeinsam durchgeführten Marktanalyse aus dem Frühjahr 2004 die Erwartung aus, dass mittelfristig bis zu 40 Prozent der Handelsunternehmen mit schnell wechselndem Produktsortiment und sogar jeder zweite Fachhändler in VPN-Lösungen investieren werden.
Diese wachsende Akzeptanz von VPN in der Handelsbranche entspricht einem generellen Trend in der Wirtschaft, denn nach den Prognosen der Marktforscher von IDC werden bis 2006 in Europa rund ein Viertel aller Ausgaben für Unternehmensvernetzung auf VPN-Lösungen entfallen. „Möglicherweise kann für Außenstellen der Zugriff auf die unternehmensinternen Ressourcen nur durch ein VPN ökonomisch sinnvoll realisiert werden“, betont der Analyst Martin Haas von der Meta Group den Kostenvorteil als ein zentrales Argument für Virtuelle Private Netzwerke.
VPN ist nicht VPN
Grundsätzlich kann für ein VPN zwar auch das Internet genutzt werden. Für wirklich geschäftskritische Informationen, hohe Datenaufkommen oder professionelle Sicherheitsansprüche eignen sich derartige Lösungen allerdings häufig nicht. So warnt der VPN-Spezialist Stephan Wanke von COLT Telecom vor der Fehleinschätzung, dass derartige Internet-basierte Lösungen unternehmerischen Anforderungen genügen würden. Vor allem könnten sie keine ausreichende Bandbreiten, Übertragungsgeschwindigkeiten und Sicherheitsstandards zur Verfügung stellen, so Wanke: „Wer allein auf das Internet vertraut, stößt schnell an die Grenzen dieses Mediums, in dem sich schließlich alle Nutzer gemeinsame Wege teilen und daher, wie im richtigen Leben auch, häufig gemeinsam im Stau stehen.“
Professionelle Lösungen hingegen nutzen in der Regel als Technologie den so genannten MPLS-Standard (Multi Protocol Label Swichting). Er erlaubt es relativ schnell, selbst komplexe Netze für den Zusammenschluss zahlreicher Standorte zu realisieren und sie flexibel zu verändern. Außerdem wird das VPN damit zu einer echten Schnellstrasse und ist ideal für zeitkritische Informationen sowie bandbreitenintensive Daten einsetzbar, ohne dass es bei der Informationsübertragung zu Engpässen kommt.
Wanke verweist auf einen weiteren Vorteil des COLT IP Corporate VPNs: „Zudem ist die Lösung extrem sicher, da hierbei nicht die öffentliche Infrastruktur des Internet, sondern fest geschaltete Wege des eigenen COLT-Netzes genutzt werden, die einer umfassenden Kontrolle unterliegen. Anders als im IP-Netz weiß der Nutzer hier stets, wo sich seine Daten befinden.“
Integration von Partnern
Ein weiterer wesentlicher Nutzen der Virtuellen Privaten Netze besteht darin, dass sie flexibel an sich verändernde Bedürfnisse angepasst werden können. Dies gilt sowohl für die Integration weiterer Standorte also auch für erforderliche Leistungssteigerungen in der Datenübertragung oder für die Integration von Lieferanten oder Logistikpartnern, denen über VPN ein kontrollierter Zugang auf die eigene Informationsbasis in den zentralen Systemen geschaffen werden kann. Diese unternehmensübergreifende Erweiterung der vernetzten Warenwirtschaft erzeugt aufgrund durchgängiger Prozesse über die Unternehmensgrenzen hinweg wertvolle Effizienz- und Kostenvorteile – etwa bei der kooperativen Planung und Bestandsführung sowie im Supply Chain Management.
„Die Integration Dritter in die eigene Informationslogistik ist nicht nur für die Schnelligkeit und Qualität von enormer Bedeutung und ist deshalb zu einem kritischen Erfolgsfaktor im Wettbewerb geworden, sondern es lassen sich auf diese Weise auch die Prozesskosten deutlich reduzieren“, weist Logistikexperte Prof. Horst Wildemann von der Technischen Universität München den Weg. „VPN-Lösungen – die auf einer für Unternehmen professionellen Technik basieren - bieten dafür eine ideale Basis“, urteilt der COLT-Fachmann Wanke. „Deshalb sind sie gerade auch für mittelständische Handelsunternehmen interessant.“

