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Ernst & Young: Jeder zweite Mittelständler fürchtet Abkühlung der Konjunktur

Dem deutschen Mittelstand bereitet der Blick in die Zukunft Sorgen. Laut aktuellem Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young  haben sich die Geschäftsprognosen leicht eingetrübt und die Konjunkturerwartungen zeigen ein düsteres Bild: Fast jedes zweite mittelständische Unternehmen (45 Prozent) geht von einer sich verschlechternden Wirtschaftslage für die kommenden Monate aus. Nur 15 Prozent erwarten einen weiteren Aufschwung – Anfang dieses Jahres waren noch 63 Prozent optimistisch. Sorgenfalten treibt den Unternehmen vor allem die europäische Schuldenkrise auf die Stirn, deren Auswirkungen laut Ernst & Young zunehmend in der Realwirtschaft ankommen. 63 Prozent der Befragten Unternehmen fürchten sogar eine neue Wirtschaftskrise. Noch trotzt der hiesige Mittelstand der Konjunkturabkühlung und stellt die Weichen in Richtung Wachstum: Jeder vierte Mittelständler will neue Arbeitsplätze schaffen und jeder Dritte will mehr investieren.

Aktuell immer noch im Plus
Die Situation im deutschen Mittelstand hat sich während der letzten Monate leicht eingetrübt, wird aber dennoch durch die Bank weg positiv bewertet: 94 Prozent der befragten Unternehmen sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden und fast jeder Zweite  (45 Prozent) bezeichnen sie als uneingeschränkt gut. Zum Jahresbeginn lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Die Talfahrten an der Börse haben laut der Wirtschafsprüfungsgesellschaft bislang keine Spuren in der Umsatzentwicklung hinterlassen. Jeder zehnte Mittelständler (11 Prozent) steigert von Mitte Juni bis Mitte August die Umsätze, eben so viele berichten von leichten Umsatzrückgängen. „Der Aufschwung in Deutschland hat seinen Zenit überschritten, die Geschäftslage ist aber nach wie vor ausgesprochen gut“, urteilt Peter Englisch, Leiter Mittelstand und Partner bei Ernst & Young. Dass es früher oder später zu einer Abkühlung kommen musste, läge auf der Hand. Es spreche aber viel dafür, dass es eher eine Abschwächung des Wachstums als ein echter Abschwung oder gar eine Rezession geben werde.

Jobmotor Mittelstand läuft immer noch rund
Noch stehen die Zeichen im deutschen Mittelstand auf Wachstum. Die Auftragslage ist immer noch sehr gut und an der Kapazitätsausleistung gibt es ebenfalls keinen Beanstandungsgrund. Ungeachtet der eingetrübten Prognosen will der Mittelstand nicht nur investieren, sondern beabsichtigt, zusätzliches Personal einzustellen. Gut jedes vierte Unternehmen will die Belegschaft aufstocken und nur 9 Prozent planen einen Stellenabbau. Von einer schnellen Personalsuche kann jedoch keine Rede sein: die deutliche Mehrheit (73 Prozent) berichtet von Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Jeder Neunte bezeichnet es sogar als sehr schwierig, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden und 65 Prozent erwartet, dass diese Schwierigkeiten in den kommenden drei Jahren zunehmen werden.

Personalmangel reduziert Gewinne
Immer mehr Unternehmen müssen laut dem Mittelstandsbarometer Aufträge ablehnen, weil ihnen Personal fehlt. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) der befragten Unternehmen klagt aufgrund fehlender Fachkräfte über Umsatzeinbußen. Bei 15 Prozent der befragten Unternehmen beträgt das Umsatzfehl mehr als fünf Prozent. Besonders in den Bereichen Vertrieb und Kundendienst sowie in der Produktion mangelt es an entsprechenden Fachkräften. Knapp jeder zweite befragte Mittelständler (46 Prozent) sucht Vertriebsmitarbeiter. Mehr als jedes dritte Unternehmen hat Stellen in der Produktion zu besetzen. Um im Wettbewerb  um knappe Talente bestehen zu können, investieren die Mittelständler in der Hoffnung auf mehr Mitarbeiterbindung laut Ernst & Young derzeit verstärkt in Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen. Gehaltserhöhungen oder das Anwerben ausländischer Fachkräfte  stehen hingegen nur für eine Minderheit auf der Agenda. (BD)

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