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Deutliche Kritik an der Bedienbarkeit von Business-Software

16.11.12

Ginge es nach dem Willen der Business-Manager in den Unternehmen, dann sollten sich die Hersteller von Firmen-Software bei der Entwicklung von Benutzeroberflächen möglichst schnell an der Consumer-IT orientieren. Denn das, was an Business-Applikationen derzeit im Einsatz ist, wird von ihnen mehrheitlich in einer Studie des digital intelligence institute (dii) als zu kompliziert und unmotivierend für die Mitarbeiter bezeichnet.

So kritisieren zwei Drittel, dass die Benutzerfreundlichkeit der Anwendungen im Büro unzureichend oder sogar schlecht ist. In ihrer Kritik bemängeln sie vor allem die Unübersichtlichkeit, die sich nachteilig auf die Produktivität und Arbeitsfreude auswirkt. Außerdem werden durch die wenig benutzerfreundlichen Oberflächen nach Meinung von mehr als der Hälfte der über 200 befragten Fachbereichsverantwortlichen Fehler in den Tätigkeiten der Mitarbeiter provoziert und ein ständiger Lernbedarf verlangt.

Als Konsequenz wollen sie bei zukünftiger Software-Auswahl den Usability-Aspekt stärker in die Entscheidungen einbeziehen. Viele sehen dabei aber durch die Beschränkung auf bestehende Marktangebote ihre Hände gebunden, die Benutzerfreundlichkeit als Entscheidungskriterium stärker in den Vordergrund zu rücken.

Dabei würden sie schon gerne sehr deutlich Einfluss darauf nehmen, vor allem was die grundsätzliche Ausrichtung der Oberflächengestaltung betrifft. Denn gefragt nach den Empfehlungen, die die Vertreter der Endanwender den Softwarehäusern auf den Weg geben möchten, steht ein Aspekt ganz weit vorne auf der Wunschliste: Die Business-Applikationen sollten sich stärker an der Consumer-IT orientieren. Dreiviertel der Befragten sind dieser Auffassung, sie geht einher mit der Forderung, den Funktionalitäten nicht nach getaner Programmierarbeit die Oberflächen gewaltsam überzustülpen, sondern die Features und Bedienbarkeit im Einklang zu entwickeln.

Darüber hinaus erachtet es eine deutliche Mehrheit der Business-Manager als wichtig, die Einfachheit zum leitenden Prinzip in der Software-Entwicklung zu erklären, um zu User-gerechteren Anwendungen zu gelangen. Zudem plädieren 57 Prozent dafür, dass sich die Softwarehäuser stärker an Oberflächen von weit verbreiteter Standardsoftware orientieren sollten, um zu einem intuitiveren Handling der Anwendungen beizutragen.

„Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, weil für die Benutzer dadurch ein deutlich geringerer Lernaufwand entsteht, sie sich sicherer fühlen und sie die Möglichkeiten der Anwendung besser nutzen können“, urteilt Ayelt Komus, wissenschaftlicher Leiter des dii und gleichzeitig Professor für Wirtschaftsinformatik und Organisation an der Hochschule Koblenz. Er sieht im Markt eine wachsende Tendenz bei Softwarehäusern, sich an die App-Idee von Apple oder an das neue GUI von Microsofts Windows 8 anzulehnen.

Dies allein sei jedoch keine Lösung, betont Komus. „In unseren Usability-Tests stellen wir immer wieder als zentrales Grundproblem fest, dass Anwendungssoftware häufig ohne Ausrichtung auf den Bedienkomfort, sondern unter dem Primat der Funktionalität entwickelt wird“, verweist er auf ein Kernproblem. „Zwar ist spätestens mit dem iPhone von Apple die einfache Benutzung zu einem ganz entscheidenden oder sogar dem Kaufargument geworden, die Softwareentwicklung verharrt aber vielfach noch in klassischen Denkmustern, bei denen sich alles ausschließlich um Features dreht. Viele Unternehmen haben noch nicht verstanden, dass die Produkte von Apple oft nicht trotz, sondern wegen der Begrenzungen von Funktionalität und Bedienmöglichkeiten so erfolgreich sind.“

In seinen Augen tun sich diese Anbieter damit schon längst keinen Gefallen mehr. „Auch die Business-IT muss einfacher statt noch funktionsstärker und damit komplexer werden“, fordert er auf breiter Front ein Umdenken.

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