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IT-Fachkräftemangel kostet Milliarden

23.05.12

Die gigantische Summe von 11 Milliarden Euro entgeht den hiesigen IT-Unternehmen im Jahr durch Wissens- und Kompetenzverlust. Dieses Ergebnis weist eine aktuelle Studie des Fraunhofer IAO und des Hightechverbandes BITKOM aus. Ein weiteres Ergebnis der Studie: trotz aktuell guter Geschäftsentwicklung geht vor allem das Wissen der mittelständischen IT-Unternehmen verloren.  So gaben knapp zwei Drittel der befragten Firmen an, unter Kompetenzverlust zu leiden, sobald Fachleute das Unternehmen aus Karrieregründen verlassen. Für den BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder ist dies vor allem für den IT-Mittelstand ein hartes Los, da sie im Vergleich zu größeren Unternehmen weniger bekannt sind und in der Regel nicht so hohe Gehälter bieten. Auch altersbedingtes Ausscheiden (42 Prozent) und längere Familienphasen (35 Prozent) belasten die Kompetenzbasis der ITK-Unternehmen.
 
Personelle Engpässe belasten die Anwesenden
Strukturell bedingte Personalengpässe und Lücken führen zur Überbelastung von Wissens- und Leistungsträgern, welche für die strategische Entwicklung der Unternehmen und die technologischen Innovationen von Bedeutung sind. So musste sich knapp die Hälfte (45 Prozent) der befragten Unternehmen eingestehen, dass ihre Mitarbeiter als direkte Konsequenz einer knappen Personaldecke überlastet sind. Gut ein Fünftel (26 Prozent) musste deshalb bereits Aufträge ablehnen, 9 Prozent konnten Projekte nicht finalisieren und bei 8 Prozent der befragten Firmen sprangen bereits Kunden ab. Laut Dr. Wilhelm Bauer, IAO-Institutsleiter, schlagen die Folgen des Fachkräftemangels umgehend massiv in Einbußen im Kerngeschäft ein. „Im Durchschnitt verlieren die Unternehmen 8,5 Prozent  ihres Umsatzes“, so Bauer.

Probleme verschärfen sich
Parallel zur ohnehin angespannten Personalsituation trifft die Hightechbranche auch der demographische Wandel. Derzeit sind laut der Studie etwa vier Fünftel (79 Prozent) aller IT-Spezialisten in den Unternehmen unter 41 Jahren. Dieser Anteil wird innerhalb von 10 Jahren auf 45 Prozent sinken. Dann soll die Altersgruppe der 41 – 45-jährigen IT-Fachkräfte mit 38 Prozent das beschäftigungsstärkste Segment der IT-Branche sein. Derzeit sind es erst 18 Prozent.
Um der Erosion der Wissensbasis Einhalt zu gebieten, müssen die Unternehmen deutlich mehr Ressourcen aufbringen. Bereits heute versuchen mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen den informellen Wissensaustausch zu fördern. 49 Prozent setzen auf Tandemmodelle, bei denen ausscheidende Mitarbeiter und ihre Nachfolge eine Weile zusammenarbeiten. Jedoch erst 38 Prozent vertrauen systematischen Übergabeinstrumenten und 34 Prozent nutzen lebensphasenorientierte Aufgaben- und Karriereplanungen für ihre Mitarbeiter. „Die IT-Unternehmen müssen ihre Personalpolitik an die entsprechende Entwicklung anpassen“, fordert Rohleder. Entscheidend sei ein Mix aus mitarbeiterbezogenen, technischen und organisatorischen Maßnahmen.

Für die Untersuchung hatten die Studienpartner 164 IT- und Telekommunikationsunternehmen um ihre Einschätzung gebeten. (BD)

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