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IT-Service-Preise auch künftig unter Druck

23.06.10

Laut einer von Berlecon Research und Pierre Audoin Consultants (PAC) veröffentlichten Studie musste der überwiegende Teil der deutschen IT-Dienstleister deutliche Rückgänge bei Umsätzen und Erträgen hinnehmen. Inbesondere das Projektgeschäft litt unter der Kürzung der IT-Ausgaben in vielen Anwenderunternehmen – ein weiterer Rückgang der Preise auf allen Stufen der IT-Service-Wertschöpfung war die Folge. Die Studienautoren rechnen auch in der nahen Zukunft nicht mit einer sich entspannenden Situation und sehen auch künftig einen hohen Preisdruck. Ihr Rat an die IT-Dienstleister: die Industrialisierung des Geschäfts weiter vorantreiben und Festpreiskompetenz ausbauen.

Für die Preisanalyse IT Services 2010 haben PAC und Berlecon insgesamt 112 Marktakteure zum Stand und Entwicklung der Tagesumsätze im Projektgeschäft mit IT-Dienstleistern um Antwort gebeten. Hierbei wurden konkrete Preisdaten für acht Tätigkeiten und je drei Erfahrungsstufen (Junior, Expert, Senior) ausgewertet. Einen weiteren Schwerpunkt legten die Marktforscher auf die Ausgaben- und Geschäftsentwicklung im IT-Service-Umfeld, die Relevanz verschiedener Sourcing Trends sowie der Einfluss spezifischer Leistungs- und Projektmerkmale auf die Preisbildung.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkte sich im vergangenen Jahr deutlich auf das Geschäft der IT-Dienstleister aus. Mehr als drei Viertel musste Umsatzrückgänge in ihren Auftragsbüchern verzeichnen. Im Projektgeschäft, das besonders stark von der wirtschaftlichen Talfahrt betroffen war, sind die Umsätze laut PAC/Berlecon bei jedem zweiten Anbieter um mehr als fünf Prozent gesunken – sinkende Preise im diesem ohnehin aggressiven Preisumfeld inklusive. Unter dem Strich stellen die Autoren fest, dass auf allen Ebenen der Wertschöpfung sinkende Tagesätze hingenommen werden mussten.

Hoffen auf Besserung

Für die Geschäftsentwicklung 2010/2011 hoffen die Dienstleister auf eine Trendwende, insbesondere bei der Ausgabenentwicklung im Projektgeschäft. Gedämpft wird diese Hoffnung indes durch die Einschätzungen auf der Seite der Anwenderunternehmen. Insbesondere die größeren IT-Anwender (ab 500 Mitarbeiter in Deutschland; entsprechen auch dem größten Teil des Marktvolumens) reagieren deutlich stärker und länger anhaltend auf die wirtschaftlichen Turbulenzen der Vergangenheit und teilen die optimistischen Erwartungen der IT-Dienstleister nicht. Im Gegensatz zu den Anbietern gehen sie weiterhin von stagnierenden IT-Service-Ausgaben und fallenden Preisen aus. Mit dieser Auffassung stehen die IT-Anwender nicht allein. Auch Berlecon und PAC erwarten für die nächsten Monate weiterhin anhaltenden Preisdruck. „Viele Unternehmen haben die Krise zum Anlass genommen, die Beschaffung von IT-Dienstleistungen zu professionalisieren, um so die Preise zu drücken“, analysiert Dr. Andreas Stiehler, Director Research bei Berlecon. So zeigen die Befragungsergebnisse eine Verlagerung der IT-Services-Ausgaben hin zu strategischen IT-Dienstleistern. „Allein durch den Konsolidierungsprozess wird der Preiswettbewerb der IT-Services-Lieferanten angefacht“, macht Tobias Ortwein, Vice President PAC Deutschland, deutlich. „Hinzu kommt, dass für die Positionierung als Preferred Supplier in der Regel spürbare Preisnachlässe eingefordert werden.“Verschärften Preiswettbewerb durch Near- und Offshore-Angebote erwarte Stiehler nur für das Großkundensegment. Für ihn existieren zahlreiche Belege dafür, dass Großunternehmen ihre Offshore-Aktivitäten während der Krise ausgebaut haben. Die Befragungsergebnisse zeigen aber auch, dass sich das Offshore-Konzept trotz des Kostendrucks noch nicht durchgesetzt hat. Viele Anwenderunternehmen nahmen die Krise zum Anlass, erste Pilotprojekte einzustampfen und Kapazitäten, die in Near- und Offshore-Regionen zur Überbrückung von Ressourcenengpässen eingerichtet wurden, abzubauen. Weiterhin sehen die Studien-Initiatoren die steigende Popularität der Festpreisabrechnung im IT-Services-Markt in den Ergebnissen der Umfrage. Aus der Sicht von PAC und Berlecon kann dieser Trend dazu beitragen, den Preisverfall zu mildern. Insgesamt raten die Analysten dazu, die Preisentwicklung differenziert zu betrachten.

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