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Konzept einer E-Government-Infrastruktur für Handwerkskammern fertiggestellt

24.07.09

Die zunehmende Verlagerung des Verwaltungshandelns in den IT-Bereich sowie die Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie (siehe „Hintergrund zur EU-Dienstleistungsrichtlinie“) erfordert auch von den deutschen Handwerkskammern eine Anpassung ihrer EDV-Infrastruktur. Aus diesem Grund hatten sich die 48 Handwerkskammern der Gemeinschaftsinitiative handwerkskammer.de dazu entschlossen, die Konzeption einer vollständigen E-Government-Infrastruktur bei der Unternehmensberatung INFORA in Auftrag zu geben. Ziel war, einen umsetzungsreifen Bauplan zu erstellen, der deutlich über die zu diesem Thema existierenden Konzepte hinausgeht.

Indem ein einheitliches Basiskonzept für 48 Handwerkskammern in Deutschland beauftragt wurde, konnten die Kosten hierfür auf 48 Kammern verteilt werden. Das Konzept schafft die Voraussetzungen für eine einheitliche und Handwerkskammer-übergreifende Struktur mit einheitlichen Schnittstellen. Harald Brandes, Vorsitzender der Initiative handwerkskammer.de und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, urteilt: „Mit dieser Konzeption stellt handwerkskammer.de erneut unter Beweis, dass die Handwerkskammern sich zeitnah und im Schulterschluss neuen Herausforderungen stellen und die erforderlichen Maßnahmen schnell und kostenschonend einleiten.“

Das Konzept wurde mittlerweile ausgearbeitet, den Handwerkskammern übergeben und sieht eine stufenweise Realisierung vor. Hierzu gehören eine Zusammenführung aller vorhandenen Daten sowie die Einführung von Customer Relationship Management (CRM), Dokumenten-Management (DMS), Vorgangsbearbeitung- und Workflow, Portal, elektronischer Signatur, Datendiensten etc. Dabei wurde ein service-orientierter Ansatz gewählt, welcher es den Handwerkskammern zukünftig ermöglicht, alle eingehenden Informationen elektronisch zu übernehmen und zu verarbeiten. Die Mitarbeiter der Handwerkskammern haben zu jeder Zeit den vollständigen Überblick über alle offenen Geschäftsvorfälle und deren Status und können somit umfassend und schnell Auskunft geben. Störende Medienbrüche in der Sachbearbeitung werden drastisch reduziert und der parallele Zugriff auf Akten ermöglicht.

Mittels der Portallösung wird zukünftig jedem Kunden der Handwerkskammer die Möglichkeit gegeben, seine eigenen Geschäftsvorfälle über Internet einzusehen und deren Fortschritt zu beobachten. Außerdem können Anträge elektronisch gestellt und somit der Weg zur Handwerkskammer oder Briefpost vermieden werden. „In dieser Konzeption ist es uns gelungen, alle vorhandenen und noch notwendigen IT-Systeme einer Handwerkskammer einer Gesamtbetrachtung zu unterziehen“, meint hierzu der INFORA Projektleiter Helmut Lämmermeier, welcher für die Konzeption verantwortlich zeichnet. „Uns ist in der gesamten Öffentlichen Verwaltung kein vergleichbarer Ansatz mit dieser Umsetzungsreife bekannt“, verweist er auf die innovative Ausrichtung.

Hintergrund EU-Dienstleistungsrichtlinie
Im Dezember 2006 wurde die Europäische Dienstleistungsrichtlinie (EU-DLRL) verabschiedet. Die Richtlinie sieht vor, dass Dienstleistungsunternehmen zur Erleichterung der Aufnahme und Ausübung ihrer Tätigkeiten eine Kontaktstelle zur Verfügung gestellt werden muss. Über diesen sogenannten „Einheitlichen Ansprechpartner“ (EAP) sollen sie spätestens ab Ende 2009 alle damit verbundenen Verfahren und Formalitäten abwickeln können. In einer Vielzahl von Bundesländern sind auch Handwerkskammern mit dieser Aufgabe betraut worden. In jedem Fall sind und bleiben sie aber „Zuständige Stelle“ (ZS), mit welcher der EAP in der Verfahrensabwicklung kommuniziert. Da Artikel 7 dieser Richtlinie vorschreibt, dass der Einheitliche Ansprechpartner elektronisch erreichbar sein muss, bedarf es während der Verfahrensabwicklung einer digitalen Kommunikation zwischen Dienstleister, EAP und Zuständiger Stelle. Die dafür erforderliche Infrastruktur zur EDV-technischen Kommunikation und Zusammenarbeit wird derzeit in den Bundesländern vorbereitet.

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