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Unternehmen stellen die Aussagekraft nackter Kennzahlen in Frage

18.11.09

Immer stärker stellen Unternehmen in Frage, dass sie allein durch bloße Kennzahlen eine ausreichend sichere Entscheidungsbasis erlangen. Nach einer kürzlich durchgeführten Erhebung von coretelligence glauben fast zwei Drittel, dass ergänzende Kontextinformationen und Interpretationshilfen hilfreich für sie wären. Eine anschließende Studie des Beratungshauses zeigt nun, dass die Business-Entscheider in den Firmen die begrenzte Aussagekraft von Kennzahlen nicht nur zunehmend kritisch betrachten, sondern eine Reihe von Unternehmen will sich diesem Thema nun im Rahmen von Projekten für ein sogenanntes Kennzahlen-Profiling gezielt widmen. Bislang waren sie nach eigener Aussage vor allem deshalb noch nicht aktiv geworden, weil es ihnen an dem entsprechenden Problembewusstsein mangelte und ihnen mögliche Lösungsansätze zur Steigerung der Aussagefähigkeit von Kennzahlen unbekannt waren.

Laut der coretelligence-Erhebung unter mehr als 200 ausgewählten Unternehmen geben insgesamt 37 Prozent an, dass sie zukünftig in solche Profiling-Projekte investieren wollen. Sie zielen darauf ab, die Hintergründe und Wirkungsverhältnisse von Kennzahlen transparent und verständlich zu machen. Lediglich 19 Prozent schließen solche Maßnahmen gegenwärtig vollständig aus, während sich eine große Gruppe von 44 Prozent noch nicht entschieden hat. Bislang haben erst 7 Prozent der Befragten zumindest ansatzweise derartige Maßnahmen realisiert.

„Die Verantwortlichen im Business sind seit langer Zeit dahingehend sozialisiert worden, dass das A und O von Entscheidungsgrundlagen Kennzahlen aus einer Vielzahl Reports sind“, urteilt coretelligence-Geschäftsführerin Marianne Wilmsmeier. „Eine Umsatzsteigerung bei einem Produkt von 5 Prozent, stellt sich bei einer ersten Betrachtung als sehr positiv dar. Erreichte aber die Konkurrenz zur gleichen Zeit zweistellige Zuwachsraten für ein vergleichbares Produkt relativieren sich diese 5 Prozent wieder", problematisiert sie. Insofern sei die Aussagekraft von Kennzahlen immer von weiteren Informationen zu ihren gesamten Bedingungsverhältnissen abhängig. „Die bisher übliche Reduzierung selbst sehr komplexer Verhältnisse auf einfache Zahlen macht die Entscheidungsprozesse zwar bequem, dies birgt aber umgekehrt auch erhebliche Gefahren von Fehlinterpretationen in sich“, begründet Frau Wilmsmeier das offenbar wachsende Umdenken.

Dass man sich bisher mit den reinen Zahlen zufrieden gegeben hat, resultiert laut der Erhebung besonders daraus, dass entsprechende Lösungsmethoden zu wenig bekannt sind (71 Prozent). Zwei Drittel der Befragten geben aber auch an, sie hätten die beschränkte Aussagekraft von reinen Kennzahlen für sich bisher nicht genug problematisiert. Außerdem kommt die Studie zu der Erkenntnis, dass sich Entscheider in 55 Prozent der Fälle tatsächlich mit den Zahlen der Reports zufrieden geben.
„Eine durchgreifende Veränderung der Kennzahlenkultur in Unternehmen wird vermutlich einen längeren Prozess verursachen“, glaubt Wilmsmeier trotz aller Notwendigkeiten nicht an einen schnell Wandel. „Dabei müssen dafür keine neuen Technologien eingeführt werden. Denn damit Kennzahlen zu einer wirklichen Informationsquelle und damit zu einer sicheren Entscheidungsbasis werden, sind durch geschickte Methodik lediglich ihre Entstehungsverhältnisse und ihr Beziehungsgeflecht transparent zu machen.“

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