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Vorsicht vor unbedachtem Offshoring

01.02.11

Nach Ansicht des Beratungshauses Ardour Consulting Group sollten die Unternehmen vorsichtig mit Vorhaben umgehen, IT-Funktionen in Billiglohnländer wie osteuropäische Länder oder Indien zu verlagern. Insbesondere die Auslagerung geschäftskritischer Aufgaben, wie etwa das Application-Management, sei häufig von erheblichen Problemen geprägt. Die Auswertung kundenbezogener Risikoanalysen durch Ardour Consulting hatte ergeben, dass in zwei von drei Fällen ein Offshoring nicht oder nur bedingt zu empfehlen ist.

„Offshoring als Instrument zur Kostensenkung hat auf den ersten Blick zwar oft einen großen Charme, weil die Vorteilsrechnung schnell mit signifikanten Ersparnissen besonders bei den Personalkosten glänzen kann. Aber mit einem verengten Blick auf die Kostenreduzierung wird man dem komplexen Sachverhalt zu wenig gerecht, weil die vielfältigen Fußangeln einer Auslagerung in Billiglohnländer unbeachtet bleiben“, problematisiert Michael Maicher, Geschäftsführer bei Ardour Consulting. „Der Risikograd steigt progressiv mit dem fachlichen Anspruch, der dem auszulagernden Service zugrunde liegt.“

Dem würden aber die Bewertungsprozesse in den Unternehmen vielfach nicht ausreichend gerecht, weil die möglichen Risiken entweder in ihrer Vielfalt oder in ihrer Wirksamkeit nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit wie die Nutzenaspekte betrachtet werden. „Insbesondere wenn der Rotstift die strategische Entscheidung für das Offshoring führt, werden die Risikopotenziale meist nur noch der Form halber erörtert“, resümiert Michael Maicher seine Erfahrung aus zahlreichen Beratungsprojekten. Aber bei differenzierter und ehrlicher Betrachtung gehe die Rechnung oftmals nicht auf.

Zu den von Ardour ermittelten hauptsächlichen Schwächen von Offshoring-Vorhaben gehört, dass sich mit den vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen des betreffenden Unternehmens die Schnittstellen zu den Leistungspartnern in den Zielländern nicht präzise genug managen lassen, was erhebliche Prozessrisiken zur Folge haben kann. „Bei reinen Hosting-Services ist der Koordinationsbedarf vielleicht noch vergleichsweise gering, weil solche technischen Dienste in hohem Maß automatisiert ablaufen können. Aber sobald die Services von einem hohen Maß an Manpower wie etwa bei der Softwarewartung oder Entwicklungsaufgaben geprägt sind, dann entstehen schnell sehr kritische Koordinations- und Organisationsbedingungen.“

Sie resultieren besonders aus schwierigeren Sprachbedingungen sowie den kulturellen Unterschieden zwischen Kunde und Offshoring-Partner, möglicherweise zeigen sich auch Diskrepanzen in den Qualitätsmentalitäten und dem Leistungspotenzial auf beiden Seiten. „Es ist bei einer Offshoring-Entscheidung weniger die Frage, ob man auf adäquate fachliche Verhältnisse stößt, sondern ob zwischen beiden Seiten kompatible Bedingungen geschaffen werden können, die eine anforderungsgerechte Steuerung der Prozesse ermöglichen“, betont der Consultant. Lasse sich dies nicht nachhaltig gewährleisten, sei vor allem bei geschäftskritischen Services unbedingt von einem Offshoring abzuraten, weil dann die Kostenvorteile mit unkalkulierbaren Risiken bezahlt würden. Ebenso müsse der Einstieg ins Near- und Offshoring und das zu wählende Sourcing-Modell des Unternehmens zu dessen Reifegrad passen.

Maicher empfiehlt den Unternehmen deshalb, bei Planungen für solche Auslagerungen die eigenen Positionen nach dem Vier-Augen-Prinzip durch eine neutrale Analyse der Nutzen- und Vorteilseffekte abzusichern. „Der objektive Blick mit ergebnisoffener Bilanzierung von Chancen und Risiken kann Gold wert sein“, berichtet der Ardour-Consultant aus seinen Beratungserfahrungen.

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